JSF 01-2022i

4 | AKTUELLES Jugendschutz Forum 1 | 2022 BERLIN Eine Million Lehrkräfte gegen sexuelle Gewalt fortbilden BERLIN Cannabis-Legalisierung wird dauern GEMEINSAME STELLUNGNAHME Squid Game aus Sicht des Kinder- und Jugendschutzes Die weltweit mehr als 100 Millionen mal ge- streamteNetflix-Serie „SquidGame“ steht seit Wochenwegen ihrer (negativen) Auswirkun- gen auf Kinder und Jugendliche in der Kri- tik. Die koreanische Serie, in der 456 Perso- nen gegeneinander inWettkämpfen in Form von Kinderspielen antreten, wurde von Net- flixmit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren ver- sehen. Der Kinder- und Jugendschutz hat sich mit Blick auf die jugendschutzrelevantenAs- pekte mit der Serie auseinandergesetzt. Stel- lungnahmen und Positionierungen einzelner Landesstellen für Kinder- und Jugendschutz finden sich unter: www.ajs.nrw www.jugendschutz-niedersachsen.de www.ajs-bw.de (Baden-Württemberg) www.jugendschutz-thueringen.de www.servicestelle-jugendschutz.de (Sa.-Anhalt) www.akjs-sh.de (Schleswig-Holstein) www.bag-jugendschutz.de Der vormalige Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) Johannes-Wilhelm Rörig und die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, Brit- ta Ernst, haben Ende November des letzten Jahres die bundesweite digitale Fortbildung „Was ist los mit Jaron?“ vorgestellt. „Basiswissen und Handlungssicherheit sind eine wichtige Grundlage, um mit betroffe- nen Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihnen zu helfen. Mit unse- rer digitalen Fortbildung ‘Was ist los mit Ja- ron?‘ schulen wir in nur vier Stunden Leh- rer*innen oder Schulsozialarbeiter*innen zu sexuellemMissbrauch und zeigen ihnen, welche Wege der Hilfe es gibt“, so Rörig. Der digitale Grundkurs vermittelt schulischen Beschäftigten Basiswissen und Handlungs- sicherheit, wie Kinder und Jugendliche bes- ser vor sexueller Gewalt geschützt werden können. Der Kurs wurde vom UBSKM in Kooperation mit den Kultusbehörden der Länder entwickelt. Er ist bundesweit in al- len Ländern als Fortbildung anerkannt und kann kostenfrei unter www.was-ist-los-mit-ja- ron.de absolviert werden. Er wurde gemein- sammit Präventionsexpert*innen entwickelt und vorab in Fokusgruppen und Fortbil- dungsveranstaltungen einzelner Bundes- länder getestet. www.kmk.org Foto: ©Christine Fenzl Der neue Drogenbe- auftragte der Bundes- regierung, Burkhard Blienert (SPD), hat Er- wartungen an eine ra- sche Legalisierung von Cannabis sowie hohe Steuereinnahmen ge- dämpft. „Das Thema ist extremkomplex und voller Fallstricke“, sagte Blienert demRedak- tionsNetzwerkDeutschland (RND). „Esmacht keinen Sinn, jetzt die Legalisierung übers Knie zu brechen, wenn dann wenig später die Verkaufsstellenwieder schließenmüssen, weil wir etwas vergessen haben. Das ist kein Gesetz, das man so einfach aus dem Ärmel schütteln kann“, betonte er. Auch imAusland werde sehr genau beobachtet, wie Deutsch- land bei der Legalisierung vorgehe. „Wenn wir wollen, dass es auch international zu einer neuen Drogenpolitik kommt, die mehr auf Gesundheitsschutz und Regulierung und weniger auf Repression setzt, dürfenwir uns keine Fehler erlauben“, betonte Blienert. Deshalb müsse mit vielen Beteiligten ge- sprochen und das Gesetz ordentlich ausge- arbeitet werden. Unser Ziel ist, die Gesundheit der Konsumen- ten zu schützen, Kinder und Jugendliche vom Kon- sum fernzuhalten, den Burkhard Blienert (© BMG/Thomas Ecke) Schwarzmarkt trockenzulegen.“ Blienert plädierte dafür, auch den Cannabisanbau in Deutschland zu legalisieren. Ziel sei es, dass die komplette Lieferkette transparent nach- verfolgt werden könne – von der Pflanze bis zur Verkaufsstelle. „Deshalb spricht vieles dafür, auch den Cannabisanbau in Deutsch- land unter strengen Regeln zu erlauben“, sagte er. Dagegen hätten die Niederlande Cannabis legalisiert, ohne sich darum zu kümmern, wo der Stoff herkomme. Das ha- be die organisierte Kriminalität enorm gestärkt und zu einer er- schütternden Eskalation der Ge- walt geführt. www.rnd.de

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